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Blogreihe: das passende Hundegeschirr [Teil 2]

Hundegeschirre gibt es wie Sand am Meer. Nur welches Geschirr ist passend und anatomisch nicht einschränkend?

Mein Name ist Kerstin Schnuchel, ich bin Hundephysiotherapeutin und Inhaberin der Praxis www.pfotenbalsam-hundephysio.de

Ich werde euch in der dreiteiligen Blogserie auf Freizeithun.de von den Vor- und Nachteilen der verschiedensten Geschirrformen erzählen und euch alles mit anatomischen Hintergrund beleuchten.

Kerstin Schnuchel, Hundephysiotherapeutin – Pfotenbalsam

In diesem Teil verrate ich euch, wie schlechte Geschirre aussehen. Es gibt zig verschiedene Arten von Geschirren auf dem Markt. Leider werden so gut wie alle Geschirrformen noch gefertigt und verkauft – Warum „leider“? Einige Geschirrformen sind auf Dauer für den Hund gesundheitsschädlich.

1.) Das Norwegergeschirr

Norwegergeschirr

Dieses Geschirr ist eins der ersten Geschirrarten, die es auf dem Hundemarkt gab. Es besteht aus einem Bauchgurt und einem Brustgurt. Der größte Nachteil an diesem Geschirr, ist die maßgebliche Bewegungseinschränkung die der Hund hat, wenn er sich in dem Geschirr bewegen möchte.

Einerseits ist in den meisten Fällen der Bauchgurt viel zu weit vorne angesetzt, sodass die Haut unter dem Ellbogengelenk des Hundes eingeklemmt wird.

Ein weiterer Grund gegen dieses Geschirr ist die fehlende Polsterung unter dem Karabinerhaken der Leine. Genau unter der Öse für den Karabiner befindet sich die knöcherne Wirbelsäule des Hundes, die in keinem Fall verletzt werden darf. Man denkt sich warum sie durch einen Karabiner verletzt werden kann? Die andauernde Belastung der Wirbelsäule durch den Schlag des Karabiners direkt auf den Knochen tut zum einen in dem Moment echt weh und auf Dauer können knöcherne Veränderungen in diesem Bereich fest gestellt werden.

Der Hauptgrund, weshalb ich von diesem Geschirr abrate ist die fehlende Schultergelenksfreiheit. Um sich fortzubewegen, muss der Hund seine Gliedmaßen in vollem Umfang benutzen können. Durch den Brustgurt dieses Geschirres kann der Hund weder sein Schultergelenk in vollem Umfang strecken, noch das Schulterblatt vorwärts bewegen.

Auf Dauer kann das nicht nur Frustration beim Hund hervorrufen, sondern auch viele Kompensationen und Einschränkungen in Schultergelenk und Ellbogengelenk, da die Muskeln auf Dauer verkürzen.

Norwegergeschirr am Hundeskelett

2.) Erziehungsgeschirr

Auch ein absolutes No Go ist das Erziehungsgeschirr, welches heutzutage immer noch (!) auf dem Markt frei verfügbar ist. Um das System dieses Geschirres kurz zu erklären:

Das Geschirr besteht aus einem Halsband, an dem zwei Seile befestigt sind. Diese zwei Seile verlaufen unter der Vordergliedmaße ( durch die empfindlichen Achseln des Hundes ) wieder hoch zum Rücken, wo sie durch zwei Ösen laufen und in einer Leine enden.

Wenn der Hund also in das Geschirr springt, wird ein enormer Druck auf die Brust ausgeübt und dem Hund maximale Schmerzen hinzugefügt.

Nebenbei erwähnt sind auch hier wieder Bewegungseinschränkungen voraus zu sehen, da der Hund durch den erfahrenen Schmerz sich nicht mehr maximal bewegen mag. Verkürzungen der Muskulatur im Bereich der Schulter, Ellbogen und Halswirbelsäule können die Folge sein.

Ich finde das ist das beste Beispiel das Geschirre nicht in jedem Fall gesund sind, sondern auch maximal wehtun können, wenn man das falsche auswählt.

Grundlegendes zu Folgeerscheinungen / Kompensationen:

Im ersten Augenblick hört sich das gar nicht so schlimm an, da man die immer weiter darauf aufbauenden Folgen nicht einberechnet.

Wenn mein Hund durch z.B. ein Norwegergeschirr Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks, des Schulterblattes und des Ellbogengelenks erfährt, werden die Muskeln, die ihm Bewegen in diese Richtung ermöglicht nicht mehr zu 100% gebraucht. Die Folge sind dann Verkürzungen in dieser Muskulatur, die sich dann auf den ganzen Körper auswirken. Der Körper ist eine Einheit, wenn sich etwas verändert, verändert sich der ganze Körper ein kleines bisschen.

Schulterblatt in Bewegung

Wenn mein Hund sich in der Vordergliedmaße nicht zu 100% bewegen kann, muss er seine Körpermitte verschieben und viel Last auf die Hintergliedmaßen aufnehmen. Dies kann dann auch zu einer Überbelastung der Gelenke führen, welche dann wiederum den Gang verändern.

Auf Dauer geht das immer so weiter… Im schlimmsten Fall können Arthrosen entstehen, durch die verringerte Versorgung des Knorpels mit essenziellen Stoffen.

Im nächsten Teil erzähle ich euch, welche Geschirre den Hund weder einschränken, noch wehtun.

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